Jobs vs. Cook: Zeugnis für den neuen Apple-CEO


Vor einem Jahr gab der von seiner schweren Krankheit gezeichnete Steve Jobs die Apple-Führung an Tim Cook ab. Wie hat sich der neue CEO geschlagen? Wie wird es mit Apple weitergehen? Eine Bilanz und Zwischenzeugnis für Tim Cook.

Der Schatten von Steve Jobs – dem iGod – war und ist bis heute gigantisch. Und es gibt garantiert einfachere Szenarien, als in dessen übermächtige Fußstapfen zu treten. Doch Tim Cook hat Geschick und Geschäftssinn bewiesen, auch wenn es unter seiner Führung bislang noch keine bahnbrechenden Produkte gab.

Tim Cook und Steve Jobs © Flickr/thetaxhaven

Jobs vs. Cook: Unterschied wie Äpfel und Birnen

Das mit Cook quasi ein Jobs-Gegenteil das erfolgreichste Unternehmen der Welt führt, mag eine Ironie des Schicksals sein. Cook gilt als spröde, etwas verschlossen, wenig charismatisch, ein Mann der die Öffentlichkeit scheut und der alles andere als ein Showman ist. Ganz im Gegenteil zu Steve Jobs. Einem unberechenbaren Exzentriker, der die große Bühne suchte und liebte und der für seine legendären Keynotes bekannt war, bei denen die Zuschauer förmlich an seinen Lippen hingen.

Doch obwohl so unterschiedlich, ist es Cook gelungen, Apple seine eigene Handschrift aufzudrücken – auch wenn nur im geringen Maße. Dennoch wird gemunkelt, dass auf den Apple-Mitarbeiter in Cupertino weniger Druck lastet und sich die Betriebsklima gelockert habe. Es heißt, die Mitarbeiter hätten „mehr Luft zum Atmen“. Und er soll sich, anders als Jobs, auch in der Kantine regelmäßig unter das normale Fußvolk Apples mischen, wie es zumindest in diesem Bericht heißt.

Cook setzte noch weitere Duftnoten. Er ist bemüht, die Arbeitsbedingungen bei großen chinesischen Apple-Zulieferern wie Foxconn zu verbessern, indem er stärkere Kontrollen einführen lässt. Er sorgte auch dafür, dass Apple nach kurzem Ausstieg bei einem US-Umweltsiegel wieder zurückruderte. Cook hat es sich auf die Fahne geschrieben, Apple im Bereich der Arbeitsbedingungen zu einem Vorzeigeunternehmen zu machen. Steve Jobs hatte wohl eher andere Prioritäten.

Apple: Aufstieg zum erfolgreichsten Unternehmen

Seit Tim Cook die Apple-Fäden in den Händen hält, hat sich der Wert des IT-Giganten fast verdoppelt und liegt derzeit bei knapp 621 Milliarden US-Dollar. Die Apple-Aktie hat sich weiter prächtig entwickelt und der Konzern ist mittlerweile die teuerste Firma auf dem US-Markt. Sicher auch ein Verdienst des neuen Boss, der auch dafür sorgte, das Apple an seine Aktionäre erstmals seit fast 17 Jahren eine Dividende auszahlt. Jobs hat sich dagegen immer geweigert.

Innovative Produkte Fehlanzeige

Minuspunkte bekommt Cook jedoch im Produktbereich, der für Apples Image enorm wichtig ist. Unter seiner Regie gab es in einem Jahr kaum bahnbrechende Produkte. Lediglich das neue MacBook Pro mit dem superscharfen Retina-Display konnte Akzente setzen. Ansonsten fielen die Aktualisierung beim iPhone 4S oder dem neuen iPad 3 eher mau aus und boten wenig Innovationen. Es ist fraglich, ob Jobs diese Geräte in ihrer jetzigen Ausstattung so auf den Markt gebracht hätte. Auch auf den so heiß ersehnte eigenen Fernseher aus dem Hause Apple müssen Kunden wohl noch etwas warten. Trotz dieser Kritik boomen aber iPhone und iPad weiterhin, wie die enormen Verkaufszahlen beweisen.

Zudem steht Apple vor seiner größten Keynote, die vermutlich am 12. September stattfinden wird. Es wird u.a. ein rundum erneuertes iPhone sowie das neue iPad mini mit kleinerem 7,85 Zoll Display erwartet, ein Modell, gegen das sich Jobs immer geweigert hat. Cook könnte mit einem iPad mini-Erfolg wovon stark auszugehen ist ein wichtiges Signal setzen, der im helfen wird, weiter aus dem großen Schatten seines Vorgängers, Chefs und Mentors zu treten.

Apple vor goldener Zukunft, aber

Wir dürfen gespannt sein, wie sich Apple unter Tim Cook weiterentwickelt. Der Konzern hat die besten Tage noch vor sich, was nicht zuletzt auch Steve Jobs zu verdanken ist, da sich noch viele revolutionäre Geräte in der Pipeline befinden sollen. Da ist es garantiert nicht von Nachteil, wenn man mit Cook einen der weltweit effizientesten und herausragendsten Manager in seinen Reihen hat. Ob dagegen aber Apples Innovationsgeist langfristig unter Tim Cook leiden wird, wird die Zukunft zeigen.

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