Das iPad in Schule und Uni Chance oder Risiko?


Digitales Lernen. Ein intensiv diskutiertes Thema, eine Chance, eine Erleichterung, ein Risiko. Während andere Länder längst auf iPads in Schulen und Unis setzen, geht die Entwicklung in Deutschland eher schleppend voran. Doch immerhin: sie geht voran! Und man macht sich zu Recht Gedanken, ob und inwieweit iPads in der Bildung eine Rolle spielen sollten. Denn natürlich gibt es Vor- und Nachteile. Wir diskutieren.

Wie sah der Unterricht in Schulen vor sagen wir mal fünf Jahren aus? Pro Tag standen schätzungsweise sechs verschiedene Fächer auf dem Stundenplan und selbstverständlich brauchte man als Schüler für jedes dieser sechs Fächer ein eigenes und viel zu dickes Buch. Vielleicht hatte man ab und zu Glück mit dem Lehrer und durfte sich mit dem Sitznachbarn ein Buch teilen, dann waren es nur noch fünf dicke Bücher pro Tag. Dazu kamen dann noch diverse Hefte oder ein dicker Ordner mit hunderten von Blättern, Stifte, Taschenrechner und so weiter. Insgesamt kam da einiges an Gewicht zusammen, rechnen wir für einen durchschnittlichen Schultag der Einfachheit halber mit sechs Kilo (wobei es in unserer Erinnerung deutlich mehr waren).

Ein iPad wiegt ungefähr 600 Gramm. 600 Gramm, die alles vereinen, was man als Schüler eben braucht. Ein iPad bietet Platz für hunderte von Büchern und tausende von geschriebenen Seiten. Ein iPad kann auch rechnen. Und ein iPad ersetzt Fernseher und DVD-Player, man kann mit einem iPad im Internet surfen und Präsentationen erstellen, kann in Sekundenschnelle Dokumente mit Mitschülern teilen, kann Musik machen, zeichnen ja, im Grunde kann man mit einem iPad eigentlich so ziemlich alles machen.

Probleme der digitalen Medien

Zunächst einmal wollen wir betonen, dass ein iPad hier beispielhaft für Tablet-PCs steht. Natürlich könnte auch ein Produkt von Samsung & Co. zum Einsatz kommen, doch da das iPad ohne Zweifel das erfolgreichste aller Tablets ist, gehen wir einfach mal davon aus, dass in den meisten Schulen oder Unis falls denn überhaupt mit Tablets gearbeitet wird auch das Produkt aus dem Hause Apple zum Einsatz kommen würden.

Wir wollen den letzten Abschnitt in einem einfachen und prägnanten Satz zusammenfassen: Ein iPad vereint sämtliche Funktionen und Eigenschaften, die ein Schüler benötigt, und eröffnet darüber hinaus noch völlig neue Möglichkeiten. Wo genau liegt also das Problem?

Zum einen liegt das Problem natürlich in der Finanzierung. In Deutschland gibt es mehr als 10 Millionen Schüler, würde für jeden dieser Schüler ein iPad im Wert von 400 Euro angeschafft werden, dann sprächen wir über eine Summe von 4 Milliarden Euro. Klar, das ist eine theoretische Rechnung (wozu sollte zum Beispiel ein Schüler der 1. Klasse ein iPad benötigen?), trotzdem ist es eine stolze Summe, die veranschaulicht, dass das Projekt iPad zu teuer ist, um es von heute auf morgen überall zu realisieren. Zum anderen liegt das Problem natürlich in der Akzeptanz und in alteingesessenen Strukturen, die bei uns in Deutschland nicht überschnell und voreilig über den Haufen geworfen werden. Trotzdem muss man sagen, dass in Sachen iPad schon nach relativ kurzer Zeit Versuche an Schulen unternommen wurden. Wir müssen immerhin bedenken, dass es den großen Bruder von iPhone und iPod erst seit gut zwei Jahren gibt, da kann man es beinahe schon als Fortschritt bezeichnen, dass es überhaupt schon Projekte mit entsprechenden Geräten gibt.

Eines dieser Projekte spielt sich beispielsweise in Hamburg ab. Das Kurt-Körber-Gymnasium ist eine der ersten Schulen, die der Vision Digitales Lernen ins Auge blickt. Hier wurde für jeden Schüler der 11. Klasse ein iPad angeschafft, das ganze Projekt nennt sich Paducation. Die Begeisterung von Seiten der Schüler war zunächst einmal natürlich ungebrochen klar, beinahe jeder, der in unserer heutigen westlichen Gesellschaft aufwächst, hat eine relativ hohe Affinität zu Technik und weiß sich durch ein iPad begeistern zu lassen. Doch wie wirkt sich der Einsatz des iPads auf den Unterricht und die erbrachten Leistungen aus?

Im ersten Moment könnte man natürlich denken, und zugegebenermaßen war das auch unser erster Gedanke dass sich die Schüler mit einem iPad in der Hand wesentlich schneller ablenken lassen und mit ihren Gedanken vom Unterricht abschweifen. Und teilweise trifft das mit Sicherheit zu. Doch spielt es wirklich eine Rolle, ob ein Schüler auf dem iPad Facebook checkt, ein Spiel spielt oder ob er mit dem Sitznachbarn Zettelchen schreibt, SMS verschickt, Schiffe versenken spielt oder unter dem Tisch etwas ließt? Richtig, im Grunde gibt es da keinen großen Unterschied. Und auch wenn das iPad für die Lehrer eine enorme Umstellung bedeutet, da sie ihre Unterrichtsabläufe umstellen müssen und zu keinem Zeitpunkt überprüfen können, ob die Schüler denn gerade wirklich die gestellten Aufgaben erledigen, dann ändert das iPad doch nichts am grundlegenden Problem, dass Schüler ab einem gewissen Punkt selbst entscheiden müssen, worauf sie sich konzentrieren wollen. Auf die erbrachten Leistungen hat das iPad so bestätigen es auch die bisherigen Projekte also keinen negativen Einfluss.

Digitale Medien sind ein Muss

Wir haben einige Vorteile des iPads in Schulen und Unis bereits angesprochen: Weniger Gewicht, deutlich mehr Möglichkeiten, sämtliche Funktionen in einem Gerät vereint und doch haben wir einen entscheidenden Punkt noch gänzlich ignoriert. Nämliche die Tatsache, dass wir in Deutschland versuchen müssen, die Jugend KONTROLLIERT an die digitalen Medien heranzuführen. Wer im 21. Jahrhundert keine Ahnung von Computern, Handys, dem Internet und eben Tablets hat, ist im späteren Berufsleben mit ziemlich großer Sicherheit aufgeschmissen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Es ist also unumgänglich, digitale Medien in Bildung und Erziehung mit einfließen zu lassen, die Betonung legen wir allerdings ganz bewusst auf das Wort kontrolliert. Denn natürlich ist in Ländern wie Südkorea der Einsatz der digitalen Medien so fortschrittlich wie in fast keinem anderen Land, dort werden iPads schon in Grundschulen eingesetzt, allerdings hat Südkorea auch ein extremes Problem mit Internetsucht. Bei etwa 50 Millionen Einwohnern wird von ca. zwei Millionen Internetsüchtigen ausgegangen, Experten schätzen die Zahlen noch weitaus höher ein in Deutschland haben wir mit unseren 82 Millionen Einwohnern nur 560.000 Computerabhängige. Und diese Zahl wird mit Sicherheit noch weiter steigen, nicht zuletzt wegen des unkontrollierten Einsatzes digitaler Medien und der fehlenden Heranführung von Seiten der Bildungseinrichtungen.

Es ist und bleibt ein spannendes Thema und wir werden euch auf dem Laufenden halten, wie sich die Situation in Deutschland weiter entwickelt. Im nächsten Blog zum Sonntag, der nächste Woche an gleicher Stelle erscheinen wird, wollen wir in jedem Fall unseren kleinen Beitrag für die Etablierung der iPads in Schulen und Unis leisten und einige tolle Apps und Möglichkeiten vorstellen, wie genau das iPad in Sachen Bildung genutzt werden kann. Bis dahin eine schöne Woche!

Quellen:

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