Musik-Streaming: Highway oder Sackgasse?


Dass CDs und DVDs immer mehr an Wichtigkeit verlieren, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Zu groß sind die Vorteile der digitalen Downloads, zu unkompliziert die Anschaffung, zu groß die Auswahl, zu günstig die Angebote. Doch inzwischen steht die Musikwelt vor einem weiteren entscheidenden Umbruch, denn immer mehr Nutzern ist die Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Musik wichtiger als deren tatsächlicher Besitz. Sogenannte Musik-Streaming-Dienste treten auf den Plan. Doch die haben es in einer Welt von Rechten und Lizenzen alles andere als einfach, man könnte also meinen, dass das ganze System eine Sackgasse ist. Betonung liegt auf ‘könnte’. Denn die Tatsache, dass nun ein weiteres Unternehmen einen eigenen Musik-Streaming-Dienst plant, zeigt, dass Musik-Streaming eine Zukunft hat. Und die Tatsache, dass dieses Unternehmen kein geringeres als Apple ist, setzt noch einmal ein Ausrufezeichen dahinter und unterstreicht die Aussage. Denn Apple ist nicht zum erfolgreichsten Unternehmen der Welt geworden, weil sie in falsche Produkte oder Bereiche investiert haben.

 Zusammenfassung Musik-Streaming

Doch bevor wir auf die neusten Pläne von Apple zu sprechen kommen, wollen zunächst einmal zusammenfassen, wie es aktuell um das Musik-Streaming steht und was sich hier im letzten Jahr getan hat. Erstmal eine kurze Antwort auf die Frage, was Musik-Streaming überhaupt ist: Beim Musik-Streaming werden die einzelnen Songs nicht von der Festplatte eines Nutzers, sondern direkt aus dem Internet abgespielt. Man “besitzt” also keine Dateien, hat aber in Sekundenschnelle Zugriff auf tausende verschiedene Tracks. Die Musik selbst wird dabei häufig aus einer Mischung aus serverbasiertem Streaming und der Peer-to-Peer-Technologie übertragen. Bei letzterem werden Dateien aus dem Cache der entsprechenden Nutzer geladen, um eine größere Bandbreite zu erzielen.

Die Anbieter von Musik-Streaming-Diensten sehen sich mit dem Problem konfrontiert, Verträge mit diversen Labels abschließen zu müssen, um überhaupt die Erlaubnis zu erhalten, Musik auf diese Weise anzubieten. In Deutschland haben wir das in den vergangenen Monaten hauptsächlich in dem Rechtsstreit zwischen YouTube und Gema mitbekommen, bei dem es um die Frage ging (und noch geht), inwiefern Musikvideos auf YouTube zur Verfügung gestellt werden dürfen. YouTube ist zwar kein klassischer Musik-Streaming-Dienst, weist aber durchaus Ähnlichkeiten auf und wird häufig als solcher “missbraucht” – schließlich findet man hier in Sachen Musik fast alles und kann sich individuelle Wiedergabelisten zusammenstellen.

Um die Verträge mit den Labels finanzieren zu können, sind die verschiedenen Anbieter natürlich auf Einnahmen angewiesen. Hier gibt es grundlegend zwei Modelle: die Finanzierung durch Werbung oder die Finanzierung durch kostenpflichtige Abonnements. Nehmen wir Spotify als Beispiel, einen der bekanntesten Musik-Streaming-Dienste. Hier kann man sowohl die kostenlose Variante wählen, als auch ein Abonnement abschließen. Wer bereit ist 9,99 Euro im Monat zu investieren, der wird von der Werbung befreit und kann zusätzliche Möglichkeiten in Anspruch nehmen. So kann ein Premium-Nutzer beispielsweise Spotify auch auf dem Mobiltelefon nutzen, erhält Zugriff auf zusätzliche Inhalte, wird mit einer verbesserten Soundqualität belohnt und, und, und. Für 4,99 Euro im Monat verschwindet einfach nur die Werbung. Und wer jetzt denkt, dass sich die verschiedenen Anbieter bei Millionen von Nutzern da eine reiche Nase verdienen, der irrt sich. Pandora hat beispielsweise zuletzt 5,4 Millionen Dollar Verlust gemacht, und das bei einem Umsatz von 101,3 Millionen Dollar. Die Lizenzgebühren bekommt man eben nicht geschenkt.

Der Umsatz der Musik-Streaming-Dienste stieg im vergangenen Jahr um 40 Prozent. Das Wachstum ist hier fünfmal so stark wie bei den waschechten Downloads aus verschiedenen Online-Angeboten wie beispielsweise iTunes. Man muss also kein Experte sein, um hier einen Trend erkennen zu können. Musik-Streaming ist definitiv auf dem Vormarsch.

Apples Pläne

Wie das bei Apple so ist, sollte man Informationen eigentlich erst dann Glauben schenken, wenn sie auf einer offiziellen Veranstaltung über die Lippen von Tim Cook kommen. Doch wenn das Wall Street Journal etwas vermeldet – in unserem Fall die Nachricht, dass Apple in den Musik-Streaming-Markt einsteigen wird – dann sollte man da schon mal etwas genauer hinhören. Außerdem gibt es für Apple eigentlich keinen ersichtlichen Grund, nicht auf den Zug des Musik-Streamings aufzuspringen, denn man möchte schließlich die Führungsposition in Sachen Musikvertrieb mit aktuell 400 Millionen iTunes-Nutzern nicht verlieren.

Doch damit man nicht nur auf dem Musik-Streaming-Markt aktiv wird, sondern gleichzeitig auch noch den eigenen Namen weiter stärken kann, wird Apples Musik-Dienst wohl ausschließlich auf eigener Hardware laufen, also auf iPhone, iPod, iPad und Mac. Auch Windows-PCs sind denkbar, auszuschließen sind allerdings Android-Geräte.

Interessant ist natürlich der Aspekt der Finanzierung, für welches der oben genannten Modelle wird sich Apple entscheiden? Nach Angaben der Quelle, die der US-Zeitung die Informationen zugespielt hat – und an dieser Stelle wollen wir gerne nochmal auf einen unserer Artikel verweisen, in dem es um Spekulationen, Leaks und Informationen eben solcher “Quellen” und die Lawinen, die diese auszulösen im Stande sind, geht – soll Apples Musik-Dienst mit Anzeigen finanziert werden. Dafür wird der Konzern wohl seine Plattform iAd, die für Werbung auf iPhone und iPad gedacht ist, anpassen.

Wer mit einem baldigen Erscheinen des neuen Dienstes rechnet, der wird aber wohl enttäuscht werden. Denn zum einen ist Apple nicht bekannt dafür, voreilig halbfertige Produkte auf den Markt zu bringen (ganz im Gegenteil) und zum anderen sind die Lizenzverhandlungen mit der Musikindustrie gerade erst angelaufen – und solche Verhandlungen können sich über Monate ziehen, denn sowohl die Labels mit all ihren Künstlern, als auch Apple stellvertretend für alle zukünftigen Nutzer, werden versuchen, möglichst gute Konditionen auszuhandeln.

Fazit

Dass Apple in den Musik-Streaming-Markt einsteigen wird, scheint nur logisch. Das Ganze könnte sich gut mit iTunes und diversen Apple-Geräten verbinden lassen und der Trend ist eindeutig. Interessant ist mit Sicherheit die Frage, in welche Richtung sich die Verhandlungen in Sachen Lizenzen entwickeln werden, gerade auch in Bezug auf YouTube und Gema. Denn hier stehen sich zwei Parteien gegenüber, die gekonnt ihre Interessen vertreten und dabei gegensätzliche Ziele verfolgen: Auf der einen Seite Künstler mit möglichst hohen und fairen Summen zu entlohnen und auf der anderen Seite Nutzern quasi kostenlos Musik anzubieten. Hier wird man sich in der Mitte treffen müssen.

Quellen:

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